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Eine Meditationsgeschichte zum Vorlesen

für kleine und große Zuhörer!
   
Es ist nur Liebe
Die Geschichte einer Bärenfamilie

>> Fortsetzung:

Beim Frühstück am nächsten Morgen war das Bärenmädchen ganz unruhig, es hatte nämlich über Nacht eine wunderbare Idee bekommen.

Schon vor langer Zeit hatte es gehört, dass im großen Wasser, was es noch nie gesehen hatte, Tiere leben, die sich wie Fische bewegen können.
Sie sind ganz geschmeidig und sehr verspielt, und sie atmen über Wasser.
Das Bärenmädchen hatte sogar schon von ihnen geträumt.

Nun wollte die kleine Bärin unbedingt dorthin, mit ihrer ganzen Familie.
Mama Bär erklärte ihrer Jüngsten, dass das große Wasser das Meer sei, und sie sicherlich sehr lange dorthin unterwegs sein würden.
Doch als Papa Bär meinte, sie hätten ja schon lange keinen richtig großen Ausflug mehr gemacht, wurde dem Bärenmädchen klar,
dass es bald losgehen würde, und es freute sich unglaublich.

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück,
machte sich die Bärenfamilie gut gestärkt auf den Weg.
Es dauerte viele Tage und viele Nächte, doch eines Abends,
die Sonne wollte gerade versinken, da erreichten sie die Küste und wurden mit einem unbeschreiblichen Ausblick für all ihre Mühen auf dem langen Weg belohnt.

Vor ihnen lag das weite, weite Meer und die Sonne spiegelte sich auf der ruhigen Fläche des Wassers.
Es sah alles so unendlich friedlich aus, und die Bärenfamilie stand dicht beieinander und staunte.
Das Bärenmädchen hatte so etwas Schönes noch nie gesehen, und sein Herz ging weit auf.
Sofort hielt es Ausschau nach den Tieren, von denen es auf dem
Weg zum Meer fast jede Nacht geträumt hatte.
Doch Mama Bär meinte, morgen sei genug Zeit dafür, jetzt sollten sie sich erst einmal einen Unterschlupf für die Nacht suchen.

Müde von der langen Wanderung schliefen sie schnell ein, und im frühen Morgengrauen erwachte das Bärenmädchen als erstes.
Ungeduldig sprang es hin und her und konnte es gar nicht erwarten wieder zum großen Wasser zu gelangen.
Noch vor Sonnenaufgang erreichte die Bärenfamilie die Steilküste,
von der aus sie am Abend zuvor den Sonnenuntergang bestaunte.
Die aufgehende Sonne aber, die mit all ihrer Kraft den Himmel erleuchtete, flüsterte dem Bärenmädchen zu, dass es ein ganz besonderer Tag werden würde.

In diesem Moment erinnerte sich die kleine Bärin an all die Geschichten ihrer Mama, und sie spürte die Kraft, die von den warmen Worten der Mutter ausgegangen war.

Das Bärenmädchen tollte mit seinen Geschwistern bis zum Rand der Steilküste und hielt Ausschau nach seinen schwimmenden Freunden.
Sie mussten da sein, die kleine Bärin fühlte ihre Nähe,
doch sie konnte nichts erkennen.
Sie mussten doch an die Oberfläche zum Atmen, dachte sie sich,
wo sind sie nur?
So verging eine Weile und die kleine Bärin setzte sich auf den kargen Boden und scharrte mit ihren kleinen Pranken im Sand.

Und ganz unvermutet tauchten die Delfine auf, sie waren auf einmal da.
Das Bärenmädchen konnte es nicht fassen, es hatte Tränen in den Augen, die Delfine waren unendlich viel schöner und anmutiger, als es je gedacht hatte.

Und sie spielten miteinander, plötzlich überschlugen sie sich, einfach so.

Sie kamen immer näher, so nah, dass das Bärenmädchen einem kleinen Delfin direkt in die Augen sah, und der kleine Delfin blickte in die Augen des Bärenmädchens, und beide spürten eine so tiefe Verbindung, die es fast unmöglich machte den Blick wieder voneinander zu lösen.

Was nun geschah ging so schnell, dass man es kaum glauben konnte,
ein uraltes Wissen erwachte in der kleinen Bärin,
und sie folgte dem Ruf ihres Herzens.

Sie hatte einen Teil ihrer selbst gefunden, dort im weiten Meer,
bei den Delfinen.
Die kleine Bärin überlegte gar nicht erst, sie nahm Anlauf,
und schon im Flug verwandelte sie sich in einen Delfin.

Mama Bär sah dies und spürte die Sehnsucht nach ihrem Kind,
und sie folgte ihrer Jüngsten ohne zu zögern,
und beide tauchten sie aus dem Wasser auf,
um gemeinsam ihren ersten Atemzug zu holen.

Papa Bär beobachtete das Geschehen, zwei seiner Bärenkinder fest an sich gedrückt, und auf einmal erfüllte ihn ein unbeschreiblich wohliges Gefühl.
Sanft ruhte sein Blick auf dem weit entfernten Körper seiner Bärenfrau,
die sich nicht einmal mehr ähnlich sah,
und doch war er ihr so nah, wie noch nie zuvor.
Lange Zeit blieben sie so stehen,
und der Bär glaubte sogar gleichzeitig wie seine Bärin zu atmen.

Erst allmählich spürte er das Stupsen der kleinen Bärennasen in seinem dichten Fell, und Papa Bär drückte zwei seiner Jungen ganz fest an sich.

Das andere Bärenjunge blickte zu seinem Papa und seinen Geschwistern,
dann wieder auf das weite, blaue Meer.
Sein Blick war unruhig,
und abermals sahen seine Augen tief in die des Bärenpapas.
Da lächelte Papa Bär und nickte ihm zu, als wisse er ganz genau was in dem kleinen Bärenherz vor sich ging.

Der kleine Bär spürte sein Herz bis zum Hals schlagen, und eine große Traurigkeit überkam ihn,
doch ganz plötzlich, ohne zu wissen warum,
fühlte er die Freiheit des Adlers,
die Stärke des Baumes
und die wahre Größe des Sonnenstrahls.

Und er vertraute von ganzem Herzen auf sein Empfinden, nahm seinen ganzen Mut zusammen, und sprang.

Sogleich löste das größte Bärenkind seine Umarmung und tollte zielstrebig auf die Klippen zu.
Sein Bruder folgte ihm, und es sah fast wie ein Wettrennen zwischen den beiden aus.
Papa Bär blickte auf das Meer, als erwarte er ein Zeichen seiner Bärin,
die ja gerade ein Delfin war, dass die Kinder wohlbehalten bei ihr waren.

Und als hätte sie seine Blicke gespürt, schoss die Bärin aus dem Wasser, überschlug sich kopfüber, und gab so übermütige Laute voller Freude von sich,
da platschte es auch schon neben ihr,
und der Bärenpapa zeigte stolz, wie lange er sich auf seiner Fluke aufrecht halten konnte.

Des Abends verabschiedete sich die Bärenfamilie von ihren neuen Freunden,
sie hatten so unendlich viel gelernt,
aufgenommen in der Gemeinschaft der Delfine.

Von da an waren sie nicht mehr zu trennen,
sie trugen nun das Wissen in sich,
dass jeder ein Teil des Ganzen ist,
und dass sie alle miteinander
EINS sind,
in Liebe verbunden,
dies schon immer waren
und bis in alle Ewigkeit SEIN werden.


Antje Fierenz

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© Antje Fierenz 2008

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